Seitenblicke

Karl Valentin

Ein „Blödsinnskönig“ mit Flugangst

Geschickter Handwerker, Verleger und Schriftsteller, Filmemacher; all diese Berufe und noch viele mehr übte er aus. Ach, und dann war er ja auch noch „Blödsinnskönig“: Karl Valentin, der bayerische Charlie Chaplin. Der Sohn eines Tapezierermeisters war ein echter Münchner Lausbub. Karl Valentin schnupperte das erste Mal auf dem Mariahilfplatz und in den Gaststätten ringsherum Bühnenluft …

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Diesmal auf der richtigen Seite

  „Straßenschlacht am Stachus“ titelte die Abendzeitung am 27. Mai 1952. 140.000 Menschen hatten am Tag zuvor gegen das Betriebsverfassungsgesetz und die Wiederaufrüstung Deutschlands demonstriert. Der Bundeskanzler Adenauer wollte „diesmal auf der richtigen Seite“ in den Krieg ziehen, die Bürger wehrten sich. Ein Jahr später wird wieder in München demonstriert. „Der Zug ist aufzulösen“ – …

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Hortus_Sanitatis

Von Wein und Schwefel

„Man läßt den Wein nicht rein mehr bleiben: Viel Fälschung tut man mit ihm treiben, Salpeter, Schwefel, Totenbein, Pottasche, Senf, Milch, Kraut unrein Stößt man durchs Spundloch in das Faß.“ Unvorstellbar, aber wahr, diese Zutaten mischte man im 15. Jahrhundert in den Wein. Weinpanscherei zur Verbesserung der Haltbarkeit wurde praktisch seit Beginn des Weinbaus betrieben. …

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Auf der Flucht

20.04.1944: Hitlers Geburtstag und der Fluchttag in die Schweiz. Aufgeregt hatte Else Behrend-Rosenfeld zugehört, was sie bei ihrer Flucht zu beachten hatte: ein Besen als Erkennungszeichen, die Bezahlung waren ein Ring, Geld und Wäsche, durch Kennwörter sollte sie sich bei ihren Fluchthelfern identifizieren. Mit mehreren Schichten Kleidung übereinander wanderte sie zur verabredeten Stelle. „Da – …

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Unter dem Sternenhimmel der ehemaligen Synagoge von Ichenhausen befindet sich heute ein Kultur- und Begegnungszentrum.

Versteckte Vergangenheit

In einigen schwäbischen Ortschaften umfasst die jüdische Gemeinde vor dem Zweiten Weltkrieg kaum ein Dutzend Familien. Mancherorts stellten die Juden dagegen über die Hälfte der Gesamtbevölkerung. Kein Wunder also, dass die architektonischen Spuren jüdischen Lebens in Schwaben so zahlreich sind. Sie offenbaren sich allerdings oft erst durch einen Blick hinter die aktuelle Fassade. So manches …

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Familie Kretschmer, 1903. Im Vordergrund Josef Kretschmer, der diese Fotografie aus der alten Heimat schmuggelte.

Eine Familiengeschichte in der Reisetasche

„Personen, welche für den Abtransport bestimmt sind, haben ihre Wohnung in vollster Ordnung zu verlassen. Gepäck wird für eine Person zugelassen: 1 Gepäckstück von 60 kg und Handgepäck von höchstens 10 kg.“ Es war keine leichte Aufgabe, ein ganzes Leben auf den Inhalt eines Koffers zu reduzieren. Dass es viele Sudetendeutsche mitten in der Hektik …

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Die Duzfreundin des Führers

Weil sie ihre Haltestelle verpasste und kein Geld dabei hatte, um dem Trambahnschaffner die zusätzliche Fahrkarte zu zahlen, lernte sie im Jahr 1920 Adolf Hitler kennen. Dessen Begleiter Anton Drexler, Gründer der DAP, legte für Eleonore Baur das Fahrgeld aus. Durch dieses Erlebnis wurde „Schwester Pia“, wie die Krankenschwester genannt wurde, glühende Anhängerin der „Bewegung“: …

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Seitenblick: In den Wellen kommt er um…

Das Schicksal König Ludwigs II. wurde bereits in alter Zeit vorhergesehen. Erstaunlicherweise stimmt dieses Gerücht, denn es existiert eine Weissagung des Sehers von Kloster Benediktbeuern aus dem Jahre 1599, also 246 Jahre vor Ludwigs Geburt. Dort heißt es: „Es verengen sich die Grenzen des Landes unter dem prunksüchtigen Fürsten, da nur des Herrschers Stärke Sicherheit …

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Seitenblick: Kleines Städtchen mit stattlichem Wirtshaus

Gerade einmal tausend Einwohner zählt das unterfränkische Rothenfels am Main unter der gleichnamigen Burg, das sich gerne als kleinste Stadt Bayerns bezeichnet. Stattlich ist jedoch das „Weinhaus zum Rothen Ochsen“, dessen Gaststube im ersten Stock mit einem prächtigen Fachwerkerker in die Hauptstraße des malerischen Städtchens hineinragt. Der Erkerplatz ist bei den Gästen des Gasthofs, der …

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Seitenblick: Bärentatzen und Rentierschinken

Der Weg vom einfachen Kolonialwarengeschäft zum königlich-kaiserlichen Delikatessengeschäft war wahrlich lang und beschwerlich. 1870 gründete Alois Dallmayr ein Kolonialwarengeschäft in der Dienerstraße 4 in München. 1895 erwarben es Anton und Therese Randlkofer für rund 750.000 Mark. Durch geschicktes Handeln und Taktieren gelang es den Randlkofers, sich den begehrten Hoflieferanten-Titel zu sichern und so ihr kleines …

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Seitenblick: Ein Luftschloss in den Bergen

Die höchstgelegene Burgruine Deutschlands, die Ruine Falkenstein (1277m) in der Gemeinde Pfronten im Ostallgäu kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Um 1280 im Auftrag von Graf Meinrad II. von Tirol zur Untermauerung herrschaftsrechtlicher Ansprüche erbaut, wurde sie 1646 niedergebrannt und weckte 1883 das Interesse von König Ludwig II. Eine romantische Ritterburg in Analogie zu Neuschwanstein …

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Seitenblick: Bayerisch-amerikanische „Gemutlichkeit“

Genau 49 mal hat das „Little Oktoberfest“ der US-Streitkräfte in München statt – längst ist es eindrückliches Sinnbild für die Freundschaft zwischen den amerikanischen Besatzern und der Münchner Zivilbevölkerung geworden. „Solche Trümmer Speiseeis!“, schwärmen die Zeitzeugen, die für das Buch „Amis in Giesing“ befragt wurden. Wie im Schlaraffenland fühlten sich die Münchner in der Nachkriegszeit …

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