Bayerische Geschichte(n) 7/2010: Bayerns dunkle Seiten

03.06.2010 - Newsletter

Liebe Leserin, lieber Leser,
Entbehrungen und Hunger der langen Kriegsjahre sind vergessen, Wohlstand und wirtschaftlicher Aufschwung kennzeichnen die Fünfziger Jahre auch in Bayern. Doch die steigende Industrialisierung erzeugt andere, subtilere Schattenseiten im Leben und Bewusstsein der Bürger. Vermehrte Überproduktion an Grundgütern bei sinkenden Preisen und Konkurrenzkampf schaffen zunehmend den Nährboden für findige Betrügereien mit der Qualität angebotener Waren.

Haberfeld
Auch eine dunkle Seite Bayerns: Der berüchtigte Brauch des Haberfeldtreibens, der erst um 1900 allmählich ein Ende fand. Nicht selten fielen Unschuldige dieser besonders ausufernden Form der Selbstjustiz zum Opfer.
1929: Skandal um Josephine Baker1929 löste sie in Bayern einen Skandal aus: Josephine Baker. Meist verdeckte nur ein Röckchen aus Bananen ihre Blößen. Bakers Gastspiel in München wurde per Polizeiverbot in letzter Minute verhindert – und erhitzte dennoch die Gemüter. 1957: Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sorgen auf den Straßen Münchens für ein Aufsehen erregendes Gesprächsthema. Saure Milch soll chemisch neutralisiert und anschließend in den Handel gebracht worden sein. Wirklich nur ein Versehen? Kurz darauf erschüttert ein zweiter, weit größerer Skandal die Bewohner der rasant wachsenden bayerischen Metropole: Münchner Hausfrauen sehen sich mit ekligen Fleischabfällen konfrontiert, die unter den Augen der Aufsicht irgendwie in den Handel gelangten. Von „faustgroßen Tuberkuloseherden“ in Rinderlungen ist die Rede, von „eitrigen Abszessen.“ Die Schlammschlacht um die Verantwortung reicht bis hinauf in die Spitze der Stadtverwaltung.
Am Ende ist es der Metzgermeister August Albrecht, der vor Gericht steht. Eindringlich wolle er zwar zuvor bereits Stadtrat und Oberbürgermeister Thomas Wimmer auf die untragbaren Zustände aufmerksam gemacht haben, die aber hätten ihn abblitzen lassen mit den Worten: „Ja mei, den letzten beißen halt die Hunde.“ Die Verunsicherung in der Bevölkerung war groß. Bayern hatte seinen ersten Gammelfleisch-Skandel – und das bereits vor über 50 Jahren. 1945: Raubkunst

1945: In Salzbergwerken entdeckten amerikanische Soldaten von Nazis gestohlene Kunstwerke.

1988: Skandal um Horst Theissen Das „weißblaue Schwarzbuch“ handelt, chronologisch geordnet, von Skandalen und Affären, von kleinen Krawallen und großen Schmierenkomödien. Es zeichnet die Geschichte Bayerns anhand vieler schwarzer Flecken auf der blütenweiß-blauen Weste des Freistaats auf eine gänzlich ungewöhnliche Weise nach. Von Hexenverbrennungen ist zu lesen, von frustrierten Komponisten, von Hundeschlächterei und den krummen Geschäften mit Geheimakten, von staatlicher Willkür und den ruinösen Vorlieben mancher Adliger. Und von vielem mehr …
Ein Skandal, den viele noch in eigener Erinnerung haben: Der Prozess gegen den Arzt Horst Theissen, der an mehreren Frauen – in Bayern verbotene – ambulante Abtreibungen vorgenommen hatte, entwickelte sich zu einer modernen Hexenjagd und spaltete Bayern in zwei Lager.
original

Weißblaues Schwarzbuch

Autor: Karl Stankiewitz
ISBN: 978-3-937200-48-4
Ausstattung: 284 Seiten, mit zahlreichen Abb.

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