Bayerische Geschichte(n) 10/2010: Unbekanntes Flugobjekt über der Wiesn

13.07.2010 - Newsletter

Die Begeisterung für die Fliegerei sprang schließlich auch auf das Oktoberfest über, wie sich an dieser Spaßkarte deutlich ablesen lässt.

Liebe Leserin, lieber Leser,
die Menschenmenge auf dem Oktoberfest traute ihren Augen nicht: Hoch am Himmel näherte sich ein unbekanntes Flugobjekt mit atemberaubender Geschwindigkeit der Festwiese. Die Besucher blieben gebannt stehen und beobachteten mit einer Mischung aus Faszination und Schrecken das sich nähernde Gefährt. Wer steuerte dieses neuartige Fluggerät und was führte er wohl im Schilde? Eins war sicher, die Jubiläumswiesn 1910 wurde Zeuge einer Sensation …

Otto Lindpaintner beim Flug „Rund um München“ am 14. Juni 1913 auf dem Flugfeld Puchheim, Fotokarte.

Wenige Stunden vorher: Der Flugpionier Otto Lindpaintner bereitete sich auf seinen spektakulären Flugversuch mit dem Ziel Theresienwiese vor. Startpunkt war das Flugfeld Puchheim, das erst vor wenigen Monaten von der eigens ins Leben gerufenen „Akademie für Aviatik“ errichtet worden war und somit Bayerns ersten Flugplatz darstellte. Lindpaintner zeigte keine Nervosität, obwohl ein erster Versuch einige Tage zuvor bereits missglückte.

Ein Plakat der „Akademie für Aviatik“ mit der Darstellung eines „Teufelskerls“, der sich mit seinem Flugapparat im Anflug auf München befindet (Foto: Hermann Historica Auktionen, München).

Doch dieses Mal ging alles gut. Auch die Wiesn-Besucher erholten sich schnell von dem anfänglichen Schrecken, winkten und jubelten Lindpaintner zu. Dieser setzte jedoch nicht, wie ursprünglich geplant, zur Landung auf der Theresienweise an. Schuld daran war angeblich die bestehende Lustbarkeitssteuer, die Lindpaintner fürchtete, im Falle einer Landung entrichten zu müssen. Für seinen aufsehenerregenden Flug über das Oktoberfest wurde Otto Lindpaintner vom Magistrat der Stadt München schließlich die „Silberne Oktoberfest-Medaille“ verliehen.

Bürgerliches Sonntagsvergnügen. Besucher einer Flugveranstaltung mit Otto Lindpaintner vor dessen Sommer-Doppeldecker auf dem Flugfeld Puchheim, Postkarte des Flugplatzfotografen Josef Poehlmann (Foto: Bayerisches Hauptstaatsarchiv).

Von dieser und weiteren Begebenheiten erzählt „Flugfeld Puchheim. Bayerns erster Flugplatz“. Einmalige historische Aufnahmen aus den Kindertagen der bayerischen Flugfahrt erwecken diese aufregende Zeit wieder zum Leben, in der tollkühne Flugpioniere die Massen begeisterten.

original

Flugfeld Puchheim

Herausgeber: Erich Hage
Ausstattung: 256 Seiten, mit zahlreichen z.T. farbigen Abb.
ISBN: 978-3-937200-91-0
Autor:

19.90 €