Seitenblicke

„Da Summa ist umma“: Für den Almabtrieb binden die Bäuerinnen den Kühen selbst gefertigte Kronen und Kränze um.

Da Summa is umma

Betrachtet man das Bild, kann man das vielstimmige Geläut, das die riesigen Glocken verursachen müssen, fast hören. Die dunklen Töne der geschmiedeten „Gungerer“ und den eher metallischen Klang der gegossenen „Speisglocken“. In gleichmäßigem Rhythmus klingen sie, während sich die prächtig geschmückte Herde langsam Richtung Tal bewegt. „Da Summa is umma“, verkündet der Schriftzug auf der …

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Schützengesellschaft-Berg am Laim

Die Adler aus Neu-Berg

Ein Junge trägt ein mit Blumen geschmücktes Schild, das die Schützengesellschaft „Die Adler“ aus Neu-Berg ankündigt. Direkt dahinter drei Mädchen, davon zwei in bayerischen Dirndln, die dem festlichen Verein voranschreiten. Mit feierlicher Tracht, Schärpen und Schützenketten zieht die Vereinigung durch die sommerliche Landschaft. Von Hochhäusern und Autobahnen der Großstadt merkt man hier recht wenig, stattdessen …

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Mitgenommen: Erinnerungen Fotografie

Fotos auf der Flucht

Der alte Fotoapparat ist sichtlich ramponiert. Und auch die Fototasche und das kleine Album mit den vergilbten Bildern scheinen die besten Tage hinter sich zu haben. Was man als Außenstehender vielleicht in den Mülleimer entsorgen würde, hat für Wolfgang Hartmann eine ganz besondere Bedeutung. Denn der Apparat sowie das Familienalbum befanden sich 1945 im Fluchtgepäck …

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Stieler_Böller

Bayerische Hochzeit unter Beschuss

Ausgelassen und voller Vorfreude blicken die Jungen und Mädchen auf die beiden älteren Herren, die mit Handböller und Kanone Schüsse in die Luft jagen. Fast unangebracht erscheint das laute Treiben, wenn man bedenkt, dass weiter hinten im Bild eine Gruppe von Menschen in die Dorfkapelle einzieht. Doch im Jahr 1882, als Karl Stieler dieses Bild …

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Wer wohnt denn da?

Ist das nicht eine schöne Villa? Weiß gestrichen, viele Fenster und ein kleines Türmchen unter blühenden Bäumen. Aber irgendetwas stimmt da doch nicht … Klar! Das Haus ist ja viel zu klein! Aber das macht nichts, denn dieses Haus ist auch nicht für Erwachsene, auch nicht für Kinder, sondern für ein viel kleineres Völkchen gedacht: …

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Dieser Stich zeigt, wie vielfältig das Handwerk des Scharfrichters war.

Die bayerischen Underdogs

Auspeitschen, Rädern, Köpfen, Handabschlagen, Blenden und viele weitere Foltermethoden gehörten zum beruflichen Repertoire eines Henkers. Kein Wunder, dass niemand etwas mit dem Scharfrichter zu tun haben wollte, eine Berührung allein sollte schon Unglück bringen. Der zweifelhafte Ruf hing nicht nur mit dem Strafvollzug zusammen, auch ihre nebenberuflichen Tätigkeiten waren kaum besser: Die Henker betrieben Bordelle, enthäuteten herrenlose …

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Walsermühle mit Hacklmühlbach, um 1898

Die traditionelle Bachauskehr

Seit Jahrhunderten findet in München die Bachauskehr statt. Dabei werden die Stadtbäche von Unrat und Sediment befreit, damit Brücken und Böschungen nicht von mitgerissenem Treibgut beschädigt werden. Heute wird bei den Flüssen nur noch alle 18 Monate das Wasser abgelassen, um sie zu säubern und zu kontrollieren. Zwei Wochen dauert das Ganze, noch bis Mitte …

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Unter die Haube gebracht – aber nur bis Aschermittwoch

Mit ein bisschen Glück kann man auch im Münchner Umland am Faschingswochenende eine Bettelhochzeit erleben. Wichtigster Bestandteil einer solchen Bettelhochzeit ist der Geschlechtertausch, sodass am Ende ein spindeldürres Männlein eine wuchtige Matrone vor den Traualtar führt. Ort des Geschehens ist allerdings weder eine Kirche noch ein Wirtshaus, sondern ein Misthaufen irgendwo auf dem Dorf – …

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Diesmal auf der richtigen Seite

„Straßenschlacht am Stachus“ titelte die Abendzeitung am 27. Mai 1952. 140.000 Menschen hatten am Tag zuvor gegen das Betriebsverfassungsgesetz und die Wiederaufrüstung Deutschlands demonstriert. Bundeskanzler Konrad Adenauer wollte „diesmal auf der richtigen Seite“ in den Krieg ziehen, die Bürger wehrten sich. Ein Jahr später wird wieder in München demonstriert. „Der Zug ist aufzulösen“ – dies …

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Hoch über dem Marienplatz

Fast könnte man meinen, die Menschen auf dem Münchner Marienplatz lächeln dem Luftbildfotografen im Flugzeug zu. Aber die meisten wollen nur das Eine: das größte Glockenspiel Deutschlands im Turm des Neuen Rathauses anschauen. Es stellt zwei Ereignisse der Münchner Geschichte dar: zum einen die Hochzeit von Herzog Wilhelm V. mit Renata von Lothringen im Jahre …

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Die Hosenbodenbeschau

Im 15. Jahrhundert war den Brauern der Ausschank ihres Bieres nur gestattet, wenn zuvor eine Beschau stattgefunden hatte. Dabei wurde das Bier von einem Fünfergremium auf ausreichende Qualität hin sorgfältig überprüft. Genaue Auflagen mussten dabei beachtet werden: Die Begutachter mussten nüchtern sein, durften maximal sechs Biere pro Tag verkosten und der vorherige Genuss von Rettich, …

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Königliches Echo

Die Berchtesgadener Alpen spiegeln sich im Wasser, der Watzmann ragt majestätisch in den Himmel und die Zwiebeltürme der Wallfahrtskirche von St. Bartholomä sind unverkennbar – der Königssee an der Grenze zu Österreich ist eine wahrhafte Idylle. Die Halbinsel, benannt nach dem Schutzheiligen der Almbauern, ist nur per Boot bequem zu erreichen, da der Fußweg über …

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Die City

1907 arbeitete ein Fünftel der Gesamtbevölkerung Münchens in der Innenstadt. In den Jahren von 1895 bis zu diesem Zeitpunkt, also innerhalb von nur 12 Jahren, war die Zahl der Arbeitsplätze von 27.000 auf 35.000 gestiegen. Gleichzeitig zogen etliche Bewohner der Altstadt weg, teils aus finanziellen Gründen, teils einfach nur deswegen, weil die Vorstädte mehr zu …

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Das Buberl mit dem Bier

Ganz unschuldig und quietschfidel sitzt es da, das Trachtenbuberl. Mit Trachtenhut und Lederhose unter typisch bayerischem weiß-blauen Himmel schwenkt es freudestrahlend…einen Bierkrug. Das klingt nicht gerade nach guter Erziehung. Doch ist das Motiv keineswegs ein Beweis dafür, dass in Bayern Bier einfach dazugehört, egal wie alt man ist, sondern es hat seinen Ursprung in einer …

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Die Rotfärbung des Bodensees

Am 26. Februar 1959 entdeckte ein Aufseher in der Alten Pinakothek etwas Merkwürdiges: Auf einem der Gemälde im Rubenssaal klebte eine geleeartige Masse. Er schlug Alarm, das Bild wurde untersucht. Doch bis die Experten herausgefunden hatten, um was es sich da genau handelte, war es bereits zu spät. Die acetonhaltige Säure, denn eben das stellte …

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Krautrock

Echten Rock ’n‘ Roll gab es nicht nur in England, Amerika oder Australien: München hatte seine eigene Szene. Unkonventionell, rätselhaft und anarchisch, so war Münchner Rock zu seiner Blütezeit. Das momentane und spontane Lebensgefühl, das Jetzt, stand im Mittelpunkt. Man begnügte sich nicht damit, lediglich das Alte und Konventionelle in ein neues Kleid zu stecken: …

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Wesen der besonderen Art

So sieht man Alligatoren auch nicht alle Tage: Mitten in einer Wüstenlandschaft wie im Wilden Westen sitzen sie um ein Lagerfeuer herum, machen sich einen Kaffee und klimpern auf dem Banjo. Dass Joe, Jack, Jim und Jeff eine gut gelaunte Truppe sind, die sich gern über andere lustig macht, mag man anfangs auch nicht glauben, …

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Schweineschlachten und Schlittenfahren

In dicke Pelze gehüllt und scheinbar in wichtige Gespräche vertieft treten die Ratsherren aus dem Rathaus und vermischen sich mit der bunten Menschenmenge auf dem Perlachplatz: Eine Marktfrau versucht, ihre Gänse an den Mann zu bringen, mitten auf dem Platz wird ein Schwein geschlachtet. Eine junge Patrizierin fährt an dieser geschäftigen und turbulenten Szenerie in …

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Das Münchner Weihnachtswunder

Die Münchner haben ihr ganz eigenes Christkind: Jedes Jahr ist es nur vom ersten Weihnachtsfeiertag bis zum Dreikönigstag in der Bürgersaalkirche zur Verehrung ausgestellt. Die täglichen Christkindlandachten um 17 Uhr haben eine lange Tradition und sind für viele Menschen der Höhepunkt der Weihnachtszeit. Eine Legende rankt sich nämlich um das Augustiner Christkindl, ein kostbares, lebensgroßes …

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Weihnachten bei Hofe

Das waren noch Zeiten: „In der Adventszeit ist man so sehr mit Andacht beschäftigt, dass kaum Zeit bleibt für andere Dinge, morgens um sieben Uhr muss man zur Kirche gehen und bleibt fast den ganzen Tag“, schrieb die junge Kurfürstin Henriette Adelaide in einem Brief nach Hause. 1652 war sie im Alter von gerade einmal …

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Weihnachtsdult und Kripperlmarkt

Der Münchner Christkindlmarkt kann auf eine jahrhundertelange Tradition zurückblicken. Sein Standort am Marienplatz hingegen ist recht neu. Erst seit 1972 findet er an dieser Stelle statt und auch die Bezeichnung „Christkindlmarkt“ hat sich erst in jüngerer Zeit eingebürgert. Im katholischen Bayern wurden die Kinder früher am Nikolaustag beschenkt und die dazugehörige „Dult“ fand rund um …

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Christbaum oder Paradeisl?

Nichts symbolisiert Weihnachten so sehr wie der bunt geschmückte und mit Kerzen bestückte Tannenbaum. Man könnte also meinen, mit dem Aufstellen eines Christbaums folgt man einer uralten Tradition. Tatsächlich aber ist dieser Brauch in Bayern seit gerade erst einmal 200 Jahren heimisch. Wahrscheinlich haben ihn die protestantischen Königinnen Caroline und Therese eingeführt. Am Münchner Hof …

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Frau Holle und die Schiache Luz

Heute, am 13. Dezember, gedenkt man nicht nur in Schweden der Heiligen Lucia. Ihr Name enthält das lateinische Wort „lux“ für Licht. Vor der gregorianischen Kalenderreform 1582 fiel die Wintersonnenwende auf den 13. Dezember, der somit als dunkelster Tag des Jahres von unheimlichen Vorstellungen begleitet wurde: Allerhand finstere Gestalten trieben dann der Überlieferung nach ihr …

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Große Weihnachtsbäckerei

Früher fing man mit dem Backen vor Weihnachten noch rechtzeitig an. Nicht so wie heute, wo man sich die Wochenenden freischaufeln muss, um überhaupt einmal einen halben Tag Muße zur Herstellung der süßen Köstlichkeiten zu finden. Früher, auf dem Land, wurde vielerorts am 30. November traditionell mit der Weihnachtsbäckerei begonnen. Um sicher zu gehen, dass …

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Karl Valentin

Ein „Blödsinnskönig“ mit Flugangst

Geschickter Handwerker, Verleger und Schriftsteller, Filmemacher; all diese Berufe und noch viele mehr übte er aus. Ach, und dann war er ja auch noch „Blödsinnskönig“: Karl Valentin, der bayerische Charlie Chaplin. Der Sohn eines Tapezierermeisters war ein echter Münchner Lausbub. Karl Valentin schnupperte das erste Mal auf dem Mariahilfplatz und in den Gaststätten ringsherum Bühnenluft …

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Diesmal auf der richtigen Seite

  „Straßenschlacht am Stachus“ titelte die Abendzeitung am 27. Mai 1952. 140.000 Menschen hatten am Tag zuvor gegen das Betriebsverfassungsgesetz und die Wiederaufrüstung Deutschlands demonstriert. Der Bundeskanzler Adenauer wollte „diesmal auf der richtigen Seite“ in den Krieg ziehen, die Bürger wehrten sich. Ein Jahr später wird wieder in München demonstriert. „Der Zug ist aufzulösen“ – …

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