Bayerische Geschichte(n) 04/2012: Zum Tee bei Herrn von Schacky

Der Monopteros als Zentrum des Schacky-Parks.

Liebe Leserin, lieber Leser,

der königlich-bayerische Kämmerer Oberstleutnant a.D. Ludwig Freiherr von Schacky gibt der Nachwelt bis heute Rätsel auf. Lange Zeit glaubte man, dass der schwerreiche Baron, der zwischen 1903 und 1913 in Dießen am Ammersee umfängliche Besitzungen erworben hatte, sich dort ein feudales Sommerschloss bauen lassen wollte. Der kürzlich entdeckte Kostenvoranschlag für das nie verwirklichte Bauvorhaben brachte jedoch zutage, dass lediglich ein bescheidenes Häuschen geplant war.

Nur wenig hat sich von der ursprünglichen Parkanlage erhalten.

Spektakulär war allerdings der 32 Hektar große englische Landschaftsgarten, den Baron Schacky sich schon einige Jahre zuvor anlegen ließ. Er entstand noch ganz im Geist des 19. Jahrhunderts mit einem Gewächshaus am Ententeich, einem Teehaus und einem Monopteros als typische stimmungsvolle architektonische Arrangements eines „sentimentalistischen Landschaftsparks“: Eine künstlich geschaffene ländliche Idylle sollte den Besucher auf emotionaler Ebene ansprechen. Hochmodern hingegen und für die damalige Zeit eine echte Sensation war die elektrische Parkbeleuchtung, die der Baron von seinen Bediensteten anschalten ließ, wenn er selbst mit dem Zug aus München anreiste.

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Heute gehören zur ländlichen Idylle im Schacky-Park auch weidende Ziegen.

Von wem die Entwürfe für die weitläufige Gartenanlage stammten, ist leider nicht überliefert, denn die Pläne haben sich nicht erhalten. Vorbild dürfte jedoch der preußische Landschaftsarchitekt Peter Joseph Lenné gewesen sein, der für König Maximilian II. den Schlosspark am Feldafinger Ufer des Starnberger Sees geplant hatte. Der Schacky-Park, den man nicht nur im Rahmen von Führungen, sondern auch bei sommerlichen Konzertmatineen besichtigen kann, ist eine von vielen Stationen im neuen Bayern-Mini für den Ammersee. Auch für den Starnberger See und für den Chiemsee gibt es die kompakten und ebenso informativen wie unterhaltsamen Reiseführer, die eine originelle Seeumrundung mit vielen guten Adressen und Insidertipps vorschlagen.